Burggeschichte:
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Die Herren von Windeck Die Wurzeln des Rittergeschlechts von Windeck, das über vier Jahrhunderte hinweg Politik und Wirtschaft im Bühler Raum entscheidend beeinflusste, reichen bis ins 11. Jahrhundert zurück. In der Sage wird Siegfried von Ulm, 1070 einer der reichsten und mächtigsten Männer der nörd- lichen Ortenau, als Stammvater der Windecker genannt. Urkundlich sicher belegt ist jedoch erst ein Melchior von Windeck im Jahre 1212. Die Funktion der Windecker als Vögte des Klosters Schwarzach und als bischöflich straßburgische Ministeriale wird in der Urkunde des Klosters Schwarzach im Jahre 1224 erstmals nachgewiesen. Um 1200 errichteten sie sich auf einem abgegrabenen Bergsporn oberhalb von Kappelwindeck als Wohnung, Verteidigungsanlage und sichtbares Zeichen ihres Machtanspruches ihre Stammburg |
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Frischer Wind wehte den Burgbewohnern um die Nase, und so nannten sie ihr neues Domizil ,,Wind-Eck". Schließlich ging der Name der Burg auf die Familie über. Die Burg Alt-Windeck war eine Ganerbenburg, d.h. jeder dort geborene Windecker besaß einen Teil von ihr und hatte auch das Recht, dort zu wohnen. So wurde die Burg für die zahlreichen Familienmitgliede bald zu eng, und man entschloss sich zum Bau einer neuen Burg. |
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Auf einer Bergnase bei Lauf ließ die abgespaltene Linie der Neu - Windecker eine Burganlage errichten, die jedoch an Größe und Befestigung mit der Stammburg nicht zu vergleichen war. Besitzstreitigkeiten trieben die beiden Linien fortan auseinander. War das 13. und 14. Jh. vom Aufstieg des Rittertums geprägt, so wandte sich die allgemeine politische Entwicklung des 15. Jh. gegen die Rittersleute. Mehr und mehr setzten sich die Territorialherren durch, in unserem Falle vor allem der Markgraf von Baden und verdrängten die Ritter aus ihrem Machtbereich. Bei all dem war den Herren von Windeck das Schicksal nicht gerade gut gesinnt. Ende des 14. Jahrhunderts wurde die Alt-Windeck von einem Feuer heimgesucht, dem Wohnungen und Stallungen zum Opfer fielen. Die abgebrannten Häuser ließ Reinhard von Windeck neu errichten. Weitaus schlimmer wog, dass auch das Archiv in Flammen aufgegangen war. Wie eine Urkunde von 1400 berichtet, seien ,,die selben Brief die Nu verbrannt" und damit die schriftlichen Nachweise für die windeckischen Rechte und Besitztümer. Auch die Burg büßte nach und nach ihre strategische Funktion ein, da Familienmitglieder ihren Anteil an Fremde verpfändeten oder gar veräußerten. 1429 teilten sich Markgraf Jakob von Baden, Wirich von Hohenberg und Hans-Reinhold von Windeck die Burg. |
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Noch zu Beginn des 15. Jh. hatte Ritter Reinhard Marktrecht, Gericht, Geleit und Zoll für das Dorf Bühl in alleiniger Hand. Die Machtverhältnisse änderten sich jedoch in den folgenden Jahrzehnten zu Ungunsten der Windecker. Zunächst suchten die Windecker Schutz gegen die aufsteigende Territorialmacht Baden. 1403 übertrug Reinhard von Windeck König Ruprecht seinen Besitz an Bühl. Im wesentlichen handelte es sich um den Teil südlich der Bühlot, und erhielt diesen als Reichslehen zurück. So hoffte Reinhard, bei eventuellen Streitigkeiten auf die Hilfe des Reiches zählen zu können. Als Zugabe erhielt er das Marktrecht für einen Montagsmarkt, der seitdem an nahezu gleicher Stelle und am gleichen Tag, dem ,,Bühler Menti", stattfindet. Das Aussterben ihrer Lehensherren von Eberstein und zunehmende Geldsorgen brachten die Windecker in eine missliche Lage, die Markgraf Jakob von Baden für sich zu nutzen wusste. So erwarb er umfangreiche Ländereien und Rechte in Kappel, Bühl, Ottersweier, Bühlertal, Unzhurst, Urloffen und anderen Orten und einen Teil an "Gericht, der Oberkeit zu Bühl, an Zoll, Ungelt, Richtgeld". Die Burg Alt-Windeck fiel ihm aus dem Erbe der Ebersteiner zu. Ende 15. Anfang 16. Jh. wurde die Situation für die Windecker noch bedrohlicher. Die Bühler Polizeiordnung von 1488 zeigt deutlich den Machtverlust der Windecker an der Herrschaft und dem Besitz in Bühl. Die Herrschaftsrechte wurden von einem markgräflichen und einem windeckischen Vogt oder Amtmann ausgeübt. Die badische Vogtei war von 1533 an das Eckhaus der Hauptstraße und Kornlaubgasse, der heutigen Schwanenstraße. Die Bewohner Bühls waren mit wenigen Ausnahmen teils badische, teils windeckische Leibeigene. Der Schultheiß wurde vom Markgrafen mit Zustimmung des Herrn von Windeck als beider Vogtherren gemeinsamer Diener bestellt und entlassen. Er erhielt zusätzlich zu den Gerichtsgebühren etc. noch jährlich achtzehn Pfennige von den Vogtherren, dreizehn vom Markgrafen und fünf von den Herren von Windeck. Von den Richtern waren neun markgräflich und drei windeckisch. Den Gerichtsschreiber alias Amtsschreiber, alias Schulmeister setzte je zweimal nacheinander der Markgraf und je einmal der von Windeck ein. 1592 stirbt mit Jakob von Windeck der letzte männliche Sproß der Familie. Das Schwertlehen fiel damit zurück an das Reich. Die Schwestern mussten sich mit dem übrigen Besitz zufrieden geben. Elisabeth heiratete schließlich den Straßburger Patrizier Johann Heinrich von Hüffel, Ursula von Windeck Friedrich von Fleckenstein. Ritter Reinhard von Windeck Einen näheren Blick werfen wir auf Reinhard von Windeck, dem bekanntesten Windecker, dessen Taten sogar Kaiser und Papst zu Ohren kamen. Reinhard von Windeck war Mitglied des Schleglerbundes. Dieser Bund richtete sich gegen das Erstarken der fürstlichen Territorialgewalt, in diesem Fall gegen den Grafen Eberhard, den Greiner von Württemberg. Dieser hielt sich im Sommer 1367 mit seiner Familie in Wildbad auf. Ohne vorherige Fehdeansage überfielen Graf Eberstein und Reinhard von Windeck das Städtchen. Eberhard floh im letzten Moment und suchte die Unterstützung Karls IV gegen die Schlegler wurde der Reichspanier erhoben, wodurch sie nur noch Unterstützung beim Markgrafen von Baden und beim Pfalzgrafen fanden. Als Eberhard auch noch die freie Stadt Straßburg und deren Bischof für sich gewann, standen die Schlegler auf verlorenem Posten. Schließlich verbot König Wenzel 1396 den Schleglerbund, der "wider uns und das heilige Reiche grubelig ist". Während des Schleglerkrieges war es zu einem weiteren Ereignis gekommen, welches Stoff für vielerlei Sagen lieferte und ein interessantes Licht auf die Beziehung Alt-Windeck -Straßburg wirft. Die Sage vom Hennengraben Wie bereits erwähnt stellte sich Straßburg nach den Ereignissen in Wildbad auf die Seite des Grafen von Württemberg, eine Verbindung die gegen die Windecker zielte, und für die sich die Windecker einmal rächen sollten. 1365 war mit dem Tod des Bischofs Johann von Lichtenberg der bischöfliche Stuhl von Straßburg verwaist. Für die Nachfolge traten zwei angesehene Mitglieder des Straßburger Domkapitels, der Domdechant Johannes von Ochsenstein und der Dompropst Hannemann von Kyburg, als Kandidaten auf. Das Domkapitel konnte sich jedoch für keinen der beiden entscheiden. Nun war für die Windecker die Möglichkeit geboten, sich für den Schulterschluss zwischen Straßburg und dem Grafen Eberhard zu rächen. Kybur hatte einen Anschlag gegen seinen Kontrahenten geplant, den Reinhard von Windeck und Alberin Röder ausführen sollten. Obwohl Reinhard von Windeck 1368 der Stadt Straßburg ewigen Frieden geschworen hatte, überfiel er zusammen mit Röder den Ochsensteiner und schleppte ihn auf die Burg Alt-Windeck. Daraufhin griff das Straßburger Heer die Burg Alt-Windeck an. Diese Ereignisse lieferten den historischen Rahmen für die Sage vom "Hennengraben": In jener Zeit soll unterhalb der Burg ein altes Waldweiblein gelebt haben. Mit größter Sorgfalt pflegte sie ihre weißen Hühner, deren ungewöhnliche Größe die Leute in Staunen versetzte.Eines dieser Hühner soll nun Ritter Reinhard bei Nacht in den Burggraben gesetzt haben. Bis zum nächsten Morgen grub die Henne den Burggraben so tief, dass der feindliche Angriff der Straßburger abgewehrt werden konnte. Und wie wir aus der überlieferten Chronik des Priesters Jakob von Königshofen wissen, scheiterten die Straßburger tatsächlich an der Festung. Frei kam der Ochsensteiner jedoch durch die Zahlung eines Lösegel des von rund 4000 Gulden, nachdem sich die Straßburger und die Windecker ein Jahr lang bitter bekriegt hatten. |
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Die Burganlage Alt-Windeck: Wir wissen heute von vier windeckischen Wohn-, Wirtschafts- bzw. Verwaltungsgebäuden in Bühl. Dazu zählten der Althof oder auch Meierhof, der möglicherweise älteste Bau der Windecker, der Amtshof, der im Bereich des heutigen Stadtgartens gelegen war, der Schlosshof, an dessen Stelle heute das Gasthaus ,,Badischer Hof" steht und schließlich die Burg Alt-Windeck. Die Burg Alt-Windeck ist uns heute noch als Ruine erhalten. Die exponierte Lage auf einem Vorberg des Schwarzwaldes war strategisch günstig und bot einen weiten Blick über den Kernbesitz des Rittergeschlechtes bis nach Straßburg, der Stadt, in der die Ritter ihren Hof und ihre Trinkstube hatten, und mit der sie zeitweise in erbitterter Fehde lagen. Heute noch erhalten sind beide Bergfriede, Reste der Palasbauten (Wohngebäude), Zwinger (Zwischenraum zur äußeren Schutzmauer) und die Ringmauer. Aus der in den Urkunden dokumentierten St. Michaelskapelle sind einige Kleinfunde überliefert, darunter das Agnus Dei (oben im Turm) und ein Christuskopf. Die Funktion einer Ganerbenburg zeigt sich in der Zweiteilung der Burg in eine vordere und eine hintere Burg. Jeder Teil umfasst einen Turm und Wohngebäude. Vom kleineren Bergfried aus wurde das große Eingangstor überwacht. Der Palasbau ist weitgehend zerstört. Der zweite, in der hinteren Burg gelegene Turm, ist größer und wahrscheinlich auch jüngeren Datums. Sein unterstes Stockwerk diente wahrscheinlich als Burgverlies oder Kornkammer. Im Kriegsfalle war er Wehrturm und Zufluchtsort für die Burgbewohner. Für diese Zwecke waren die Mauern im unteren Bereich besonders dick und der Eingang im 4. Stock angelegt worden. Der heutige Eingang im Erdgeschoss stammt aus dem 19. Jh.. Im 3. und 4. Stock des anliegenden Palas befanden sich vermutlich Repräsentationsräume, wie z.B. der Rittersaal. Die aufwendigen romanischen Fenstergruppen lassen diesen Schluss zu. Die Burg widerstand allen feindlichen Angriffen, wurde jedoch im 14. Jh. durch ein im Stall ausgebrochenes Feuer zerstört. Ritter Reinhard ließ die Burg wieder aufbauen. Seine Nachkommen verließen die Burg Ende des 16. Jh. und residierten fortan im Schlosshof. Die großen Zerstörungen an der Burganlage sind vor allem auf menschliche Hand zurückzuführen. Baumaterial war in den letzten Jahrhunderten Mangelware, und so trug man die Burg für die Errichtung anderer Bauwerke, so z.B. die Kappelwindecker Kirche, Stein für Stein ab. mit freundlicher Genehmigung von Dr. Suso Gartner |